Last Call: Die Militarisierung von Forschung und Lehre Symptome, Problemfelder und Gegenstrategien Kongress 28./29. Oktober 2011, Tübingen

In Tübingen geht es gegenwärtig heiß her in Sachen Militarisierung der Hochschule. Zwar hat die Uni Ende 2009 aufgrund der damaligen Studierendenproteste eine Zivilklausel in ihre Grundordnung aufgenommen, seither fanden jedoch mehrfach (Lehr-)Veranstaltungen von und mit Bundeswehrangehörigen statt, weiter wird Forschung im Auftrag des Verteidigungsministeriums durchgeführt und der Leiter der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, der wie kaum ein zweiter für die Remilitarisierung der deutschen Außenpolitik steht, wurde zum Honorarprofessor – ausgerechnet der Friedens- und Konfliktforschung – ernannt.

Hinter der Honorarprofessur Ischingers stehen u.a. dieselben Kräfte, die auch die Einführung einer Zivilklausel befürworteten und nun – nachdem Fakten geschaffen wurden – im Rahmen einer Ringvorlesung die „Friedensklausel“ diskutieren möchten – u.a. mit einer Angehörigen der Führungsakademie der Bundeswehr. Die Bedeutung dieser Friedensklausel hat kürzlich Ischinger in einem Interview mit dem Schwäbischen Tagblatt so umrissen: „Es ist doch gerade das Ziel solcher [Friedens-]Missionen, der Bevölkerung in Krisengebieten eine friedlichere Zukunft zu ermöglichen. Entspricht das denn nicht dem Gedanken der Zivilklausel?

Wir meinen: Nein. Eine Zivilklausel, die Rüstungsforschung und (Lehr-)Veranstaltungen Bundeswehrangehöriger zu den Berufsperspektiven von Sozialwissenschaftler_innen einschließt, die Tierversuche zur besseren Behandlung von Knalltrauma bei Soldaten und Selbssteuerung von Drohnen durchführen lässt, ist keine Zivilklausel. Dennoch diente sie als Anlass, die militaritischen Wurzeln und Rahmenbedingungen der Wissenschaft zu untersuchen und Forschungsvorhaben auf ihre Verbindungen zu Rüstung, Bundeswehr und Geheimdienste abzuklopfen. Was sich dabei in Tübingen, Baden-Württemberg und darüber hinaus offenbarte, darüber möchten wir uns Ende Oktober austauschen. Wir laden herzlich ein zu dem offenen Kongress/Vernetzungstreffen